Trabrennbahn Mariendorf: Lavinium SAS hält das Versprechen
Lavinium SAS, der Crack des Rennstalls Alwin Schockemöhle, gewinnt souverän mit dreieinhalb Längen Vorsprung das Trabrennen am 06. September in Berlin-Mariendorf. Josef Franzl erreicht auf Indira Comtesse die Tagesbestzeit.

Er besaß jede Menge Vorschusslorbeeren – und enttäuschte seine wettenden Anhänger nicht. Der fünfjährige Hengst Lavinium SAS bleibt nach einer blitzsauberen Leistung weiter auf der Siegerstraße. Bei der Mariendorfer Rennveranstaltung am Montagabend brauchte der Sohn des Amérique-Triumphators Abano As und der Italienerin Zelda Per sein Können noch nicht einmal annähernd auszuspielen, um mit dreieinhalb Längen Vorsprung in 1:16,9/1.900 m hochüberlegen zu gewinnen. Sein Trainer Hans Joachim Tipke hatte den 13:10-Favoriten nach vierhundert Metern an die Spitze des zehnköpfigen Teilnehmerfeldes geführt. Trotz mäßiger Durchgangszeiten erstarrten die Gegner vor Respekt. Erst beim Einbiegen auf die Zielgeraden kam Bewegung ins Feld, als sich die an zweiter Stelle innen postierte Lovely RD (Josef Franzl) und der ganz außen in dritter Spur aufmarschierende Zuccero (Daniel Wagner) mächtig mühten. Diese Anstrengungen stellten aber letztlich nur noch den Kampf um das zweite Geld dar, den Zuccero für sich entschied. Denn vorneweg gab nur ein einziges Pferd den Ton an: Lavinium SAS, der auf den letzten 200 Metern nur mal kurz den „Turbo“ aufzudrehen brauchte, um sich einsam vom Rest des Feldes zu verabschieden.
Noch eine runde Sekunde schneller, nämlich in 15,8/1.900m war Adios Amor, der Sieger der Gewinnsummenklasse bis 45.000 Euro, unterwegs. Der ohnehin nie enttäuschende und derzeit in Überform laufende Wallach und seine Fahrerin Marisa Bock mussten bei ihrem ersten gemeinsamen Sieg allerdings einige Hürden überwinden – das Rennen gestaltete sich zu einem packenden Finishkrimi. Denn bis weit in den Schlussbogen hinein war der Weg zum Erfolg für den innen eingeschlossenen Adios Amor komplett verbaut. Erst 350 Meter vor dem Ziel – als alles schon verloren schien – tat sich in dem auseinander fächernden Teilnehmerpulk doch noch eine kleine Lücke auf, wobei Adios Amor den neben ihm liegenden Unilo Limburgia (Hans Hellmeier) sicherlich ein wenig nach außen drängelte. Das entstandene Schlupfloch reichte dem gewaltige Reserven freimachenden Adios Amor und Marisa Bock tatsächlich, um sich im Zickzackkurs hart innen an dem bereits deutlich führenden Dariolo und seinem Trainer Josef Franzl vorbeizutanken.
Nur wenige Minuten später drehte der bayrische Profi den Spieß gegen die Amazone postwendend um. Mit seiner Paradestute Indira Comtesse, die zuletzt in ungewohnter Amateurhand völlig unter Wert geschlagen war, hielt sich Josef Franzl konsequent im Windschatten des Marisa Bock anvertrauten Franzosen Noy de Levres auf. Im Scheitel des letzten Bogens schien sich zunächst ein spannender Endkampf anzudeuten – doch die Würfel waren schnell gefallen, denn schon beim Einbiegen in den Einlauf hatte Indira Comtesse die Zeichen sofort auf Sieg gestellt und damit eindrucksvoll den Gerüchten einer möglichen Formkrise widersprochen. In 1:15,7/1.900m sprang zugleich die Tagesbestzeit für die Tochter der herausragenden Ina Comtesse (42 Siege / 147.116 Euro Gewinnsumme) heraus.
Als Tipp des Tages war Gaius R.A. mit Bernd Warnke im Sulky angetreten – und der dreijährige Hengst erfüllte die großen Hoffnungen, die seine Besitzerin Angelika Jost-Schick in ihn setzt, voll und ganz. Seine Eventualquote von 11:10 drückte zugleich das blinde Vertrauen der wettenden Zuschauer aus, das zu keinem Zeitpunkt in Gefahr geriet. Nachdem sich Gaius R.A. vor den Tribünen bereits an die zweite Stelle verbessert hatte, bekam der Hengst mit Erreichen der Gegenseite aufgrund einer Galoppade der führenden Whiteflag (Günther Kühl) kampflos die Spitze. Von da ab wurden seine Schritte immer länger und die nach Fehlern arg dezimierte Gegnerschaft konnte den 1:17,5-Temposchnitt des Siegers nicht annähernd mithalten. Beim zweiten Lebensstart also der zweite hoch überlegene Triumph für den Crack des Rennstalls Aleo, der noch eine Nennung für das schwedische Derby besitzt.
Dagegen wurde einem zweiten heiß gewetteten Traber der Weg zum Erfolg gründlich verdorben: Die 13:10-Topfavoritin Edith M (Sebastian Gläser) schien über die lange 2.500-Meter-Distanz alles passend vorzufinden und hatte sich nach einem Drittel der Strecke bereits die Spitze erobert, als ihr der aufgrund eines Fahrerwechsels ohne Wetten angetretene Super Neil (Nicolai Laaser) eher ungewollt in die Suppe spuckte. Denn Sebastian Gläser ließ den kaum regulierbaren und heftig pullenden Gegner vor den Tribünen vorbei – doch dieses Entgegenkommen entwickelte sich zur Falle. Denn so sehr sich die sofort wieder nach außen gewechselte Edith M auch streckte – in einem langen und kräftezehrenden Duell kam die Seriensiegerin auf der nächsten dreiviertel Runde nicht mehr an dem Widersacher vorbei und hatte mit Erreichen des Einlaufs kaum noch etwas zu verkaufen. Ganz anders die innen geschonte Voulez Vous Corner, die sich mit Carlo Zimmermann sofort von den ausgepowerten Gegnern absetzte und mit zweieinhalb Längen Vorsprung vor der speedstarken Vanessa Boshoeve (Werner Schnieder) in 1:18,8 min. siegte. Deutlich dahinter blieb Edith M wenigstens noch das dritte Geld.
Dass Eddy Titan nicht nur mit seinem neuen Trainer Heinz Wewering gewinnen kann, bewies der Wallach mit Daniel Dähn im Sulky. Der 38-jährige Berufsfahrer, der in der letzten Zeit zwar nicht mehr ganz so häufig in Mariendorf zur Leine greift, von seiner Routine aber nichts verlernt und bisher 156 Siege erzielt hat, führte den Braunen sofort an die Spitze. Trotz der Favoritenstellung im Fachmagazin TraberWelt rangierte Eddy Titan am Toto mit beachtlichen 50:10. Im Schlussbogen rückte zwar die durch die zweite Startreihe gehandicapte Jaquelin (Marisa Bock) in der Außenspur gefährlich auf, doch auf den letzten 250 Metern setzte Eddy Titan mühelos entscheidende Reserven frei. Der mit 20:10 hoch gehandelte Pikus G (Dirk Grusdas) hingegen war nach einem Geschirrdefekt gleich in der Anfangsphase des Rennens ausgefallen.
Robino Bes hatte seinem Fahrer und Besitzer Bernd Schrödl bereits mit einem Erfolg im Rahmenprogramm der Derby-Woche viel Freude gemacht. Bei der Abendveranstaltung legte der Dreijährige mühelos nach. In der Gewinnsummenklasse bis 3.200 Euro hatte der Erstling der zwölfmaligen Siegerin Robina Bes mit seinen sieben Konkurrenten keinerlei Probleme. Zunächst nur an sechster Stelle postiert, hielt Bernd Schrödl seinen Schützling eine Runde lang aus allem heraus. Als Robino Bes dann ausgangs der letzten Kurve das entscheidende Zeichen erhielt, war schnell klar, dass der Dunkelbraune auf keine ernsthafte Opposition stoßen würde. Bis zum Pfosten nahm er den zweit- und drittplazierten Scenario (Fred König) und Chip X (Heiner Christiansen) in leichter Manier in 1:17,5/1.900m drei Längen ab.
Das ganze Rennen über war von Man Power RM überhaupt nicht zu sehen – doch auf der Linie war der vierjährige Wallach trotzdem vorne. In dem weit auseinander gerissenen Feld hatte sich sein Steuermann Thorsten Tietz lange Zeit gelassen. Bis weit in den Rosenhofbogen hinein lag Man Power RM an letzter Stelle und noch Ende der Gegenseite schien der Braune nichts mit dem Kampf um Sieg und Platz zu tun zu haben. Doch als Kaya Ri (Thomas Heinzig) 250 Meter vor dem Zielpfosten die Nüstern an dem nachlassenden Debütanten Flamenco Casei (Josef Franzl) vorbei in Front steckte, wurde Man Power RM weit außen an den Rails immer stärker. Der Wallach setzte sich am Ende zu den Odds von 56:10 noch eine ganze Länge von seiner Gegenspielerin ab.
Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 12. September, ab 13.30 Uhr statt.
Quelle (Bild + Text): Berliner Trabrenn-Verein e. V.
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