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HÖRDUR: Wunderbarer Pferdefilm mit viel Tölt und Tiefgang

HÖRDUR – Almila Bagriacik auf ihrem Filmpferd Hördur © Storming Donkey Productions

Mit seinem Spielfilmdebüt HÖRDUR zeigt der Regisseur Ekrem Ergün, dass ein Pferdefilm Tiefgang haben kann und ohne die Klischees einer Ponyhof-Idylle auskommt. Garantiert nix für Fans von „Barbie reitet“. Wir erklären, was da los ist.

Die 17-jährige Aylin (Almila Bagriacik) hat es nicht leicht: Nach dem Tod ihrer Mutter wohnt sie gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Emre (Noë Chalkidis) und ihrem Vater Hasan (Hilmi Sözer) auf engstem Raum unter ärmlichen Bedingungen. Während ihr Vater als Hilfsarbeiter auf Baustellen arbeitet, kümmert sie sich um ihren jüngeren Bruder und den Haushalt. Auch in der Schule läuft es nicht rund: Sie wird von Mitschülern als „Psycho“ bezeichnet und ist regelmäßig das Opfer von Mobbing-Attacken. Als Aylin von ihrer Mitschülerin immer wieder provoziert wird, verliert sie die Kontrolle und verprügelt die Mitschülerin so schwer, dass sie vom Gericht wegen Körperverletzung zu 50 Sozialstunden auf dem Pferdehof verdonnert wird.

Was anfänglich wie eine Strafe wirkt, wird zu Aylins zweiter Chance: Zunächst scheint sie verloren zwischen Misthaufen, Schubkarre und der strengen Pferdehof-Besitzerin Iris (Felicitas Woll), aber dann macht sie die Bekanntschaft mit dem wilden Islandpferd Hördur. Aylin fühlt sich magisch von Hördur angezogen und entdeckt dabei gegen alle Widerstände ihre wahre Leidenschaft und eine ganz besondere Gabe: das Reiten.

„Pferde halten uns einen Spiegel vor“

Der Film HÖRDUR ist das Spielfilmdebüt des deutsch-türkischen Regisseurs Ekrem Ergün. Das Drehbuch zu HÖRDUR basiert auf einer Idee von Ekrem Ergün und Produzentin Stefanie Plattner. Obwohl Stefanie Plattner selbst seit 30 Jahren begeisterte Reiterin ist, stand sie der Idee Ergüns zu einem Pferdefilm anfänglich skeptisch gegenüber: „Auf einer mehrstündigen Autofahrt stellten wir fest, dass der Pferdefilm, den wir uns ausmalten, aber so noch nicht erzählt wurde.“ Aus der eigenen Erfahrung als Reiterin wusste Plattner, dass Pferde einen positiven Effekt auf Menschen haben können: „Pferde begegnen Menschen vorurteilsfrei und halten diesem einen Spiegel vor.“

Mit diesem Wissen im Hintergrund war es Stefanie Plattner ein persönliches Bedürfnis einen Film zu erzählen, der jungen Mädchen „eine positive Perspektive aufzeigt und auch zeigt, wie Pferde über soziale Schichten hinaus als Katalysator für die Selbstfindung dienen können.“. Für Regisseur Ergün ist Aylin „so etwas, wie ein türkisches Aschenputtel. Sie lernt durch die abzuleistenden Sozialstunden eine Welt kennen, die im Grunde nur den wohlsituierten Deutschen vorbehalten ist.“

Kein Film über eine Ponyhof-Idylle

HÖRDUR ist ein wunderbarer Film über das Erwachsenwerden in schwierigen Verhältnissen und den Weg vom verschüchterten Teenager, der nirgends dazugehört, zur selbstbewussten jungen Frau. In ruhigen, beinahe tristen Bildern lässt der Film Anteil nehmen an Aylins Leben im Mannheimer Ghetto. Ganz nah fühlt man sich den Ängsten und Träumen, die Aylin täglich begleiten. Dabei wirkt HÖRDUR nie angestrengt oder realitätsfern. Gerade das sehr minimalistische Schauspiel von Almila Bagriacik macht Hördur so authentisch. Mit Hilmi Sözer, den man aus Komödien wie „Der Schuh des Manitou“ und „Was nicht passt wird passend gemacht“ kennt, spielt Bagriacik an der Seite eines außergewöhnlichen Charakterdarstellers, der ihr genügend Raum zur Entwicklung ihrer Rolle gibt.

HÖRDUR ist kein Film über eine Ponyhof-Idylle, aber zum Glück auch nicht der Rundumschlag mit der Moralkeule. Gerade durch die beiden sehr unterschiedlichen Lebensentwürfe zwischen Ghetto und der heilen Welt der Reitsports entsteht ein sehr spannungsreicher Film, der zum Nachdenken anregt. Aber HÖRDUR ist auch ein Film der Mut macht, der aufzeigt wie wichtig es ist jemandem zu sagen „Ich glaube an Dich!“.

HÖRDUR startet ab Donnerstag, 29.10.2015 deutschlandweit in den Kinos.

Mehr Infos unter: www.hoerdur.de

 

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