Akupunktur bei Pferden

Eine der alternativen Heilmethoden in der Tiermedizin ist die Akupunktur. Sie ist tief in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwurzelt. In der TCM geht man davon aus, dass eine Art universelle Energie alles formt und bewegt. Sie ist in allem und kann auch nicht zerstört, nur verändert oder transformiert werden. Die Chinesen bezeichnen sie als Qi. Das Qi fließt in bestimmten Bahnen, den Meridianen, und nimmt Einfluss auf sämtliche Abläufe im Körper. Eine Blockade dieses Flusses sorgt in den betreffenden Meridianen oder den damit verbundenen Organen für Störungen. Die Akupunktur versucht nun, diese Energieblockaden durch Stimulation ganz bestimmter Punkte z.B. mit einer Nadel zu lösen. So viel zur Theorie.

Es gibt keinen anatomischen Beweis für die Existenz der Energiebahnen, bei den Akupunkturpunkten verhält sich dies etwas anders. Bei anatomischen Untersuchungen konnten an diesen Punkten eine hohe Dichte an Nervenfasern oder Nervenendungen festgestellt werden. Auch über das Wirkprinzip der Nadelstiche hinsichtlich ihrer schmerzlindernden Wirkung weiß man seit neuester Zeit mehr: Amerikanische Forscher haben in Versuchen mit Mäusen einen biologischen Mechanismus ausmachen können. Die dadurch freigesetzten Neurotransmitter aktivieren den Schmerz unterdrückende Rezeptoren, was somit den schmerzlindernden Effekt ausübt.

Hat man sich entschieden, einen Akupunkteur kommen zu lassen, sollte man sich Zeit nehmen. Ein guter Akupunkteur betrachtet das Tier als Ganzes und durchläuft kein Standardprogramm. Da aus etwa 400 Akupunktur-Punkten für jeden Patienten eine individuelle Auswahl getroffen wird, ist eine ausführliche, persönliche Diagnose unbedingt notwendig.

Hierbei wird nicht nur die aktuelle Problematik beachtet, sondern die gesamte Vorgeschichte, das Verhalten, Besonderheiten und Eigenarten, Vorlieben und körperliche Konstitution des Pferdes. Anschließend wird die eigentliche Untersuchung vorgenommen, bei dem das Pferd an bestimmten Akupunkturstellen abgetastet wird. Hierbei achtet der Therapeut auf Schmerzreaktionen bzw. Schmerzunempfindlichkeit, Temperaturunterschiede an der Körperoberfläche, Narben oder Ähnliches. Zu einer klinischen Untersuchung gehören auch die Erhebung von Puls- und Zungenbefund.

Ziel hierbei ist es, ein energetisches Ungleichgewicht zu erkennen. Das heißt Bereiche in denen zu viel oder zu wenig Energie fließt.

Für viele Besitzer ist es schwer mit anzusehen, wenn die Nadeln gesetzt werden. Für das Pferd ist es jedoch in den seltensten Fällen schmerzhaft. Vielfach lassen sich bei der Behandlung sogar Entspannungssymptome (tiefe Atemzüge, schmatzen, Kopf sinken lassen, gähnen, dösen etc.) beobachten.

Für den Erfolg der Therapie ist es wichtig, dass die Behandlung dem Pferd angenehm ist. Selbst wenn es einen kurzen Einstich-Schmerz verspürt, sollte sich eine positive Reaktion anschließen. Überraschende starke Widersetzlichkeit seitens des Pferdes sollte man als Besitzer kritisch betrachten und gegebenenfalls beim Akupunkteur nachfragen, woran die Reaktion liegen könnte.

Nach einer Behandlung kann es zu einer möglichen Erstverschlechterung kommen.Eine Erstverschlechterung erklärt man durch das schichtweise Abtragen und Aufdecken von Blockaden, die zu der Krankheit geführt haben. Das kranke Pferd durchläuft seine „Krankengeschichte“ rückwärts und arbeitet nach und nach seine „Baustellen“ ab. Es kann aber auch sein, dass nach einer einmaligen Behandlung bereits eine Verbesserung bis hin zum Verschwinden der Symptome auftritt.

Nach einer Akupunktur sollte man das Training an den Zustand des Tieres anpassen. Ist es zu müde, darf es sich erholen. Bietet es sich an und fühlt es sich auch gut für den Reiter an, darf mit ihm normal gearbeitet werden. Es gibt hier keine festen Regeln: Aktion und Reaktion werden dem Individuum angepasst.

Die Akupunktur sollte immer von einem Tierarzt oder einem erfahrenen Tierheilpraktiker durchgeführt werden, der sich einer zusätzlichen Ausbildung in der Akupunktur unterzogen hat. Akupunktur ergänzt die Schulmedizin, sie hat nicht den Anspruch diese zu ersetzen. Bei akuter lebensbedrohlicher Symptomatik, wie z. B. einer Kolik, ist es unerlässlich, einen Tierarzt zurate zu ziehen.

Quelle: Eggersmann GmbH in Zusammenarbeit mit Fr. Dr. Susanne Hauswirth aus Börm

Foto: Andreas Ochsenbauer

Jahrgang 1968, ist Chemie-Ingenieur und betreibt seit 2003 erfolgreich Internetportale. Carsten ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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