Beberbecker

Beim Reenactment von Kavallerie-Einsätzen wie hier beim Reenactment der Schlacht um Austerlitz müssen Pferde gute Nerven beweisen.
iStock/wrangel

Der Beberbecker – das Ideal des Kavalleriepferds

Die Pferderasse Beberbecker entstand bereits im 18.Jahrhundert. Im Jahr 1724 wurde auf königliche Anordnung auf Schloß Beberbeck, 10 Kilometer nordöstlich von Hofgeismar, ein kurhessisches Landgestüt gegründet. Zuchtziel war ein edles Kavalleriepferd. Es galt damals viele Soldaten beritten zu machen. Entsprechend wurden gute Pferde benötigt, die neben physischer Härte und Ausdauer auch einen Charakter und ein Temperament mitbrachten, die für den Einsatz in der Kavallerie geeignet waren.

Der Beberbecker – ein Warmblut mit viel Vollblutanteil

Um das Zuchtziel zu erreichen wurden hauptsächlich Englische Vollblüter, Araber, Normannische sowie Mecklenburger Warmblüter und Hannoveraner Pferde genutzt. Auch 16 reine Sennerstuten fanden hier 1876 in dem nun Preußischen Hauptgestüt eine neue Heimat. Durch die Auswahl der Rassen entstand das Beberbecker Pferd, ein Pferd mit einem guten Schluss Vollblut. Die Zucht von Gut Beberbeck – später wurde das Gut mit dem Gestüt Sababurg zusammengelegt – lieferte Remonten für die Kavallerie.

Ausverkauf der Zucht im Jahr 1929

Über 200 Jahre hatte das Beberbecker Gestüt die Aufgabe, Hauptbeschäler für die Remontenzucht zu stellen. Die Beberbecker Edelblutpferde waren auch als hervorragende Wagenpferde beliebt. Das Gestüt wurde jedoch 1929 aufgelöst und der Pferdebestand verkauft. Der Großteil der Pferde wechselte in dieser Zeit auf Gestüte in Polen. Die insgesamt 160 Pferde, die von Deutschland nach Polen gingen, begründeten dort die Zucht auf dem Gestüt Racot. Ein Fliegerangriff im Jahr 1939 hatte verheerende Auswirkungen – lediglich 48 Pferde überlebten ihn. Diese Pferde gingen über ins Gestüt Graditz, das für seine Zucht berühmt ist.

Der Einfluss des Beberbeckers auf die moderne Zucht

Während die meisten Beberecker Pferde 1929 nach Polen wechselten, wurde der Rest der Tiere nach Trakehnen verkauft. Die Hengste Optimus, Obelisk und Lehnsherr brachten sich als herausragende Vererber in die Trakehner Zucht ein. Beberbecker Stempelhengste haben jedoch nicht nur in der Trakehnerzucht großen Einfluss auf die moderne Zucht bewiesen.

Beberbecker Gene

Der Sohn des letzten preußischen Landstallmeisters von Beberbeck, Clemens Freiherr von Nagel, sammelte jedoch Beberbecker auf sein ererbtes Schloß Vornholz bei Ostenfelde und züchtete dort noch viele Jahre den Beberbecker weiter. Der Vornholzer Schimmel Ramzes wurde bis zu seinem Ableben 1966, als fast Dreißigjähriger, zum wichtigsten Vererber in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ramzes findet sich in vielen Pedigrees bedeutender Hengste, die heute als herausragende Stutenlinie oder als bedeutende Vererber geschätzt werden.

Der Beberbecker – heute zurück an der Sababurg

Die Rasse der Beberecker Pferde galt viele Jahre als ausgestorben. Der Tierpark Sababurg im Landkreis Kassel setzte jedoch mit großem Elan ein Projekt in die Welt, mit dem Ziel das Beberecker Pferd rückzuzüchten. Dabei gestaltete sich die Suche nach Pferden, die noch möglichst viel Genetik dieser Rasse tragen, schwer. Im Jahr 2018 gelang es endlich die ersten Stuten mit Beberecker Blutlinien in den Tierpark Sababurg zu holen. Die erworbenen Stuten stammen aus insgesamt vier der fünf bekannten Blutlinien der Rasse. So haben die Projektleiter für ihr ehgeiziges Vorhaben einen wertvollen Genpool der Beberecker sichern können.

 

Rassemerkmale

  • Stockmaß: Zwischen 160 und 165 cm
  • Ursprung und Hauptzuchtgebiet: Deutschland
  • Haupteinsatzgebiet: Kavalleriepferd
  • Aussehen / Exterieur: gerader Kopf; kleine Ohren, schräge Schultern; harte Hufe; starker, gerader Rücken; gut ausgeprägter Widerrist; abfallende Kruppen; harte Röhrenbeine; sportlich;
  • Farben: alle Farben außer Schecken
  • Charakter / Interieur: intelligent, mutig, ausdauernd,

Schreibe einen Kommentar