Camargue-Pferd

White Camargue horses galloping on the blue water of the sea with splashes and foam. France.
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Die weißen Pferde der Camarque

Die Camargue-Pferde sind wie viele andere Pferderassen nach der Region benannt, in der sie lebt. Diese Rasse, die im Rhônedelta, im Süden Frankreichs zuhause ist, hat sich an einen sehr besonderen Lebensraum angepasst. Das größte Flussdelta Westeuropas liegt zwischen zwei Flussarmen, die ins Mittelmeer münden. Dazwischen befinden sich Marschland, Sumpfland, Brackwasserseen und Lagunen. Das Land ist rau, die klimatischen Bedingungen sind anspruchsvoll. Im Sommer ist es glühend heiß, während der Boden in den anderen Jahreszeiten mit kaltem Salzwasser bedeckt ist. Der Mistral, ein kräftiger, salziger Wind, lässt die spärlich wachsenden Sträucher, die harten Riedgräser, Schilf und Salzpflanzen, die den Pferden als Nahrung dienen, verkümmern. Die Menschen, die hier leben, sind stolz auf ihr ödes Sumpfland und nennen es „das erhabenste Land, das der Mensch erobert hat“. Auch die Pferde dieses Landes werden schon seit eh und je schwärmerisch „Pferde des Meeres“ genannt. Neben den wilden, schwarzen Kampfstieren, den rosa Flamingos, die hier in großen Verbänden zuhause  sind, sind die Camargue-Pferde das Sinnbild der Camargue.

Das Camarque-Pferd – eine der ältesten Rassen

Das Camargue-Pferd ist eine sehr alte Rasse und hat wahrscheinlich schon in prähistorischer Zeit in der Camargue gelebt. Deshalb lässt sich, wie bei den meisten anderen älteren Rassen, nichts Genaues über die ursprüngliche Herkunft der Tiere sagen. Das Camargue-Pferd ähnelt sehr stark den Pferden auf den Höhlenmalereien in Lascaux und Niausx, die auf etwa 15000 vor Christus datiert werden. Von den Proportionen her, ähnelt es aber auch dem sogenannten Solutré-Pferd, einem prähistorische Pferd, dessen Überreste im 19. Jahrhundert in Solutré gefunden wurden und auf 50.000 Jahre geschätzt werden.

Das Camarque-Pferd – Pferd der Guardians

In vorchristlicher Zeit nahmen die Ostgoten und Wandalen auf asiatischen oder mongolischen Pferden bei ihren Invasionen diesen Weg nach Europa. Später dann, im 7. und 8. Jahrhundert, gab es einen starken Einfluss des Berbers, der durch die maurischen Eroberer von der iberischen Halbinsel mit eingeführt wurde. Diese Verbindung lässt sich auch an Sattelzeug und den allgemeinen Pferdekenntnissen der Guardians, der französischen Cowboys, erkennen. Seither hat die isolierte Lage der Camargue garantiert, dass die Pferdeherden, die „manades„, von äußeren Einflüssen komplett verschont blieben.

gaucho in camargue
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Das Camarque-Pferd und der Stier

Zur Ausrüstung der Guardians bei der Arbeit mit den Rindern gehören ein Seil und ein Dreizack. Das Seil, ein Lasso aus Pferdehaar von 11m Länge, wird in den Korrals vom Boden aus eingesetzt, während der Dreizack für ungeregelte oder aggressive Stiere da ist oder um die Kälber zum Brennen umzuwerfen.

Wahrscheinlich aufgrund der großen Unabhängigkeit der Guardians wurde die Rasse der Camarque-Pferde erst 1968 offiziell registriert, ein Zuchtverband gegründet und und jährliche Hengstbesichtigungen unter der Ägide des Staatsgestüts von Nimes organisiert. Heute sind große Gebiete von der Camargue trockengelegt und dienen als landwirtschaftliche Anbauflächen für Reis und Weintrauben.

Stiere, Flamingos und weiße Pferde

Die Arbeit mit den Rindern oder während der traditionellen Volksfeste die Stiere durch die Dorfstraßen zu treiben, das ist immer noch Aufgabe der Camargue-Pferde. Ein riesiges Gebiet der Camargue – die 6880Ha große Lagune Etang des Vacarés – ist heute ein Naturschutzgebiet. Der Tourismus zeigt neue Wege zur Nutzung der Camargue, und es gibt nichts Schöneres, als die Natur vom Pferderücken aus zu erleben. Der Anblick einer Herde weißer Pferde, die durch spritzendes Wasser galoppiert, hat sicherlich etwas atemberaubendes an sich.

Four free horses galloping in the water. France, Camargue.
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Das Camarque-Pferd – auch als Freizeitpferd begehrt

Die Pferde dieser Rasse sind klein. Das Stockmaß liegt mit rund 1,45 m im Ponymaß. Dabei bringt das Camarque-Pferd in der Regel durch Rumpftiefe und einen guten Rücken sehr gute Voraussetzungen des Exterieurs mit. Die Kruppe ist abgeschlagen, aber trotzdem kurz und stark. Die Gliedmaßen sind gut geformt, und obwohl die Hufe breit sind (wegen des sumpfigen Bodens), sind sie so hart und gesund, dass die Pferde so gut wie nie beschlagen werden müssen. Es sind unglaublich harte Pferde mit großer Ausdauer und sie sind sehr genügsam. Sie brauchen nicht mehr Futter als was sie im Schilf finden.

Das Camarque-Pferd – klein aber robust und vielseitig

Das Camargue-Pferd hat ein Stockmaß um 142cm, kann aber auch schon mal kleiner sein. Es gilt als spätreif und erst zwischen fünf und sieben Jahren als ausgewachsen. Jedoch – bekannt für seine Langlebigkeit – erreicht es oft ein Alter von mehr als 25 Jahren.
Als Fellfarben kommt ausschließlich die Farbe Weiß vor. Die Gänge sind charakteristisch, der Schritt zeigt sich lang mit hoher Aktion und besonders aktiv, der Trab jedoch kurz und abgehakt, sodass kaum in dieser Gangart geritten wird. Kanter und Galopp sind wiederum außergewöhnlich frei.

Rassenmerkmale:

  • Stockmaß: Zwischen 135 und 150 cm
  • Farben: als Rappen oder Braune geborene Schimmel
  • Verbreitung und Hauptzuchtgebiet: Frankreich
  • Aussehen / Exterieur: kräftiger Körperbau; kurzer Hals; ramsnasig; erst mit 7-8 Jahren ausgewachsen; große Hufe; kleine Ohren; flache Augen;
  • Charakter / Interieur: widerstandsfähig, genügsam und stark
  • Allgemeines: Als Fohlen sind die Camaruge Pferde dunkelbraun bis schwarz, mit dem alter nimmt die Fellfarbe an Helligkeit zu, bis sie irgendwann ganz weiß sind. Sie werden ca. 25 Jahre alt, was für ein halbwildes Pferd eine hohe Zahl ist. Das Camaruge Pferd kann mit geschlossenen Nüstern Nahrung unter Wasser aufnehmen.
  • Haupteinsatzgebiet: Arbeits- und Reitpferd

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