Englisches Vollblut

Schon seit dem 17.Jahrhundert werden in Großbritannien Vollblüter als die »Rennmaschinen« par excellence gezüchtet, die eine Höchstgeschwindigkeit von 64 km pro Stunde erreichen können, auf kurzen Distanzen sogar noch mehr. Der englische Name Thoroughbred ist eine wörtliche Übersetzung des arabischen Wortes Kehilan, das »durchgezüchtet« oder »reingezüchtet« bedeutet. Damit wird darauf hingewiesen, daß auch heute noch alle englischen Vollblüter auf drei arabische Hengste zurückzuführen sind, welche im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert nach England importiert worden sind.

Diese drei Hengste – Byerley Turk, Darley Arabian und Godolphin Arabian – wurden mit bodenständigen Stuten oder Stuten anderer Rassen gekreuzt und der moderne Vollblüter war geboren. Dabei wird jedoch häufig übersehen, daß auch noch andere Hengste – Leedes Arabian und Lister Turk etwa – zumindest in der Anfangszeit der Zucht eine Rolle spielten. So ganz korrekt ist die Geschichte mit der Reinzucht daher nicht.

Die Begründerhengste der Zucht sind aber die drei erstgenannten. Die sehr strengen Gesetze des Englischen Studbook schreiben vor, daß jeder Vollblüter – egal, in welchem Land er heute gezüchtet wird – auf einen der drei Hengste zurückzuführen sein muß. Zur Kennzeichnung tragen die Hengste hinter ihrem Namen die Buchstaben xx.

Byerley Turk kam im Jahr 1689 nach Großbritannien. In den nächsten fünfzig Jahre wurden durch frühe Siedler einige Vollblüter nach Amerika gebracht, der erste Hengst – Bulle Rock, ein Sohn von Darley Arabian – kam erst 1730 dort an. In kürzester Zeit hat sich danach die große Renn-Industrie in Amerika entwickelt. Aber Vollblüter wurden auch damals schon in weitere Länder exportiert. Heute existieren auch eigene Zuchtstätten in vielen Ländern außerhalb Großbritanniens, wie etwa Irland, Frankreich, Italien, Deutschland und USA.

Diese eleganten, langbeinigen Vollblüter sind durch ihre äußere Erscheinung und ihre qualitativen Eigenschaften eigentlich relativ leicht zu erkennen, trotzdem gibt es auch hier wie bei vielen anderen Rassen Unterschiede, die sich aus den Ansprüchen der Züchter entwickelten. Es gibt Sprinter, die über eine enorm hohe Schnelligkeit über kurze Distanzen verfügen und eine entsprechend kräftige, gut behoste Hinterhand haben. Dann gibt es die sogenannten Steher, die im ganzen länger gebaut sind, mehr Rechteckpferd mit langen Muskeln.

In Europa liegt der Hauptakzent der Zucht bei den Pferden für mittellange und lange Strecken, während in Amerika noch bis vor kurzem vor allem der Sprinter gezüchtet wurde. Doch auch dort setzt sich der Steher allmählich durch. Inzwischen spielt auch Australien in der Zucht der Vollblüter eine große Rolle und einige Mittel- und Langstreckenrennen wurden schon von australischen bzw. neuseeländischen Pferden bestritten. Die australischen Vollblüter sind vor allem bekannt für ihre große Ausdauer und Härte. Die bekanntesten Gestüte in Deutschland sind: Erlenhof; Harzburg, Röttgen, Schlenderhan, Waldfried und Zoppenbroich. Das große Zuchtziel ist Härte. Jedoch muß gesagt werden, daß gerade die deutsche Vollblüterzucht zur Zeit nicht in großer Blüte steht. Die Pferde werden zu früh geritten und müssen nach zwei oder drei Rennsaisons die Bahn (den Turf) für immer verlassen. Sind sie gute Vererber, werden sie zur Zucht eingesetzt. Viele werden an private Reitställe verkauft, wo sie mit ihrem Temperament den Durchschnittsreiter nicht immer beglücken.

So schön, mutig und vielseitig einsetzbar Vollblüter sind – Durchschnittsreiter sollten die Hände von Pferden lassen, die schon eine Karriere auf der Rennbahn hinter sich haben. Dort eingesetzte Vollblüter sind häufig zu schwierig im Umgang, zu temperamentvoll und oft auch aggressiv und ziemlich eigensinnig. Einfacher im Umgang sind sie, wenn es sich um eine Kreuzung zwischen einem Vollblüter und einem anderen Pferd handelt, beispielsweise Cleveland Bay, Irish Draught oder einer anderen bodenständigen Pony- oder Pferderasse.

Die Pferde aus solchen Verbindungen sind meistens härter, zäher und haben vor allem ein ausgeglicheneres Temperament. Dabei bleiben die eleganten Gänge und das Springvermögen erhalten. Solche Kreuzungsprodukte sind für den durchschnittlichen Freizeitreiter weit besser geeignet. Im übrigen haben die Englischen Vollblüter – an zweiter Stelle nach den Arabischen Vollblütern – viele Pferderassen beeinflußt, wie zum Beispiel den Trakehner, den Holsteiner oder das Selle Francais.

Rassenmerkmale:

  • Größe: zwischen 150cm und 173cm; Durchschnittsgröße bei 163cm.
  • Farbe: vor allem Braune in allen Schattierungen und Füchse. Selten Rappen und Schimmel. Weiße Abzeichen erlaubt.
  • Kopf: sehr edel, mit intelligentem Ausdruck. Große, mutig blickende Augen. Mittellange Ohren.
  • Hals: elegant, geschwungen.
  • Schultern: lang und schräg. Gut ausgeprägter Widerrist.
  • Gebäude: viel Gurtentiefe mit Platz für Herz und Lungen. Kurzer Rücken, ausgeprägter Rippenbogen. Kräftige, stark bemuskelte Hinterhand. Hohe, manchmal überbaute Kruppe mit hoch angesetztem Schweif.
  • Gliedmaßen: harte, lange Beine mit einem Röhrenumfang von mindestens 20cm. Weituntergreifende Sprunggelenke.
  • Aktion: lange, flache, raumgreifende Gänge.

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