Friese

Die Geschichte der (meist) schwarzen Riesen aus Westfriesland geht zurück bis ins 16. und 17. Jahrhundert. Zu der Zeit lag Spanien mit den Niederlanden im Clinch. Die spanischen Truppen fielen über Friesland her und die edlen andalusischen Schlachtrösser wurden mit den friesischen Bauernpferden gekreuzt. Dank dieser Einkreuzung gilt der Friese nicht als Kaltblüter. Im 19. Jahrhundert jedoch war die Rasse vom Aussterben bedroht. 1878 gründeten einige Niederländer in Drachten mit ein paar Dutzend Exemplaren die Stammbuchgesellschaft (Stammbuchgründung 1879) für Friesenpferde. Anfang des 20. Jahrhunderts sackte die Nachfrage nach den friesischen Pferden noch wieder ab.

Doch die hartnäckigen Niederländer bauten mit den wenigen noch vorhandenen Friesenpferden eine strenge Reinzucht auf und sorgten dafür, dass der Pferdeklassiker nicht durch fremde Rassen verändert wurde. Dadurch kamen die Friesen auch zu ihrer einheitlichen Farbe.

Trug bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Hälfte aller Friesen ein braunes Fell, so verpasste die strenge Selektion der Rasse auch den heute typischen, pechschwarzen Anstrich. Mit ihren strahlend weißen Kollegen, den Lipizzanern, haben Friesenpferde weit mehr gemeinsam, als Kritiker wahrhaben wollen. Die altspanischen Pferde haben beiden Rassen ihren Stempel aufgedrückt, weshalb Friesen und Lipizzaner zu den Barockpferden gehören und über ähnliche Talente verfügen. Wie die Lipizzaner zeigen auch die Friesen eine muskulöse Hinterhand, eine von Natur aus starke Aufrichtung und eine hohe Knieaktion. Daher ist auch den Rappen von der Nordseeküste die klassische Reitkunst auf den üppigen, runden Leib geschneidert. Wie die Lipizzaner können sie sogar die schwierigsten Dressurlektionen, die Schulen über der Erde, erlernen. Doch die Friesen haben noch ganz andere Talente. Da sie ganz exzellente Traber sind, geben sie auch vor der Kutsche (insbesondere vor der traditionellen friesischen Kutsche, der Sjees) ein hervorragendes Bild ab.

Charakterlich gelten die Friesen als sehr anhänglich und menschenbezogen, jedoch nicht als ganz unproblematisch. Denn trotz seiner Anhänglichkeit lässt sich ein Friese vom Menschen nicht alles gefallen – und Friesen können sehr nachtragend sein. Ein einmal ungerecht behandelter Friese kann seinen Reiter monatelang mit Streik bestrafen. Nur mit viel Geduld kann der Reiter das Vertrauen eines verärgerten Friesen zurückgewinnen und ihn wieder zur freundlichen Mitarbeit bewegen. Den Äußerungen vieler Kritiker, die Friesen seien nur äußerlich so robust, in Wirklichkeit aber äußerst krankheitsanfällig, wird von vielen Friesenbesitzern widersprochen – im Gegenteil, selbst Robusthaltung in Offenställen macht der Rasse, welche eigentlich das rauhe Seeklima Westfriesland gewohnt ist, keine Probleme.

Rassenmerkmale des Friesen:

  • Stockmaß: Zwischen 155 und 173 cm
  • Farben: Rappen, keine anderen
  • Ursprung und Verbreitung: Westfriesland ( Niederlande), jetzt in ganz Europa weit verbreitet
  • Aussehen / Exterieur: schönes Äußeres; muskulöse Brust; schwach ausgeprägter Widerrist; kompakter, proportionaler Körperbau; ein wenig gespaltene Kruppe; gerader Rücken; starke Fesselbehaarung; Langhaar; starkes Fundament
  • Charakter / Interieur: freundlich, gutmütig, motiviert, beherrscht, schlau
  • Haupteinsatzgebiet: Reitpferd
  • Allgemeines: Der Trab ist „steppend“, dabei hohe Hankenbiegung

Zuchtverband:
Friesenpferde-Zuchtverband e.V.
www.Friesenpferde-Zuchtverband.de
Gut Brückenhaus
40822 Mettmann
Tel.: 02058 / 72901
Fax: 02058 / 72874

Quelle Bild: Andrizo at en.wikipedia, (CC: BY, SA)

Schreibe einen Kommentar