Tarpan

Der Tarpan ist in allen Steppengebieten der Mongolei, in der Wüste Gobi, in den Wäldern am Oberlauf des Hwang-Ho und in den Bergen Nordindiens zu finden. Tarpane leben in Großherden von meist mehreren hunderten Einhufern. Es gilt als eines der vorsichtigsten Tiere der Steppe. Meist bewegt sich die Tarpan-Herde gegen den Wind vorwärts. Tarpanhengste gelten als mutig und kämpfen nötigenfalls auch mit Raubtieren. Wölfe schlagen sie mit ihren Vorderhufen wiehernd zu Boden. Der Mut der Tarpanhengste steht im Gegensatz zu der Scheue, die sie ansonst an den Tag legen. Die Hengste tragen untereinander oft erbitterte Kämpfe aus. Tarpane ertragen keine Gefangenschaft. Wird ihnen die Freiheit entzogen, sterben sie häufig innerhalb eines Jahres.

„…sowohl Tarpans …befreien mit aufgeregtem Gewieher die vor den Wagen gespannten Pferde und zertrampeln und zertrümmern mit ihren Hufen den Wagen und alles, was der Befreiung ihrer Pferdebrüder im Wege steht. Auf diese Weise mussten Reisende schon häufig ihr Leben lassen. Die so befreiten Pferde werden mitgenommen und in die Herde integriert.“

Quelle: Habels Pferdebuch – Rassen, Zucht, Haltung und Pflege von Sonja Matuschka, 1991 by Carl Habel GmbH, Darmstadt; ISBN: 3-87179-210-1

Mittlerweile sind die Ur-Tarpane ausgestorben. Der letzte Ur-Tarpan starb um das Ende des 19. Jahrhunderts. Im Anschluss bemühte man sich erfolgreich um eine Rückzüchtung dieses edlen Pferds. Außerdem wurde der Tarpan auch zur Blutauffrischung bei der Zucht von Dülmener Ponys verwendet. Dies tat man, da bei den Dülmener Ponys die graue Farbe immer seltener wurde und man durch die Kreuzung mit Tarpanen – deren Fell eine schöne graue Färbung hat – den typischen Grauton des Dülmener erhielt.

Typisch für Tarpane ist der Aalstrich, sowie „Zebrastreifen“ an den Vorder- und Hinterbeinen im Bereich von Fessel bis Vorderfußwurzel bzw. Sprunggelenk. Sie stehen im Pferdetyp und sind sehr zierrlich, aber ausdauernd und stark. Die Hufe sind immer sehr hart. Mähne und Schweif des Tarpans sind dicht und häufig schnellwachsend. Das Fell des Tarpans ist grau und kommt in fast allen Schattierungen vor. Gelegentlich findet man auch Falben und Brauntöne. Halbwild leben Tarpane noch in Polen und Tschechien.

Unsere Leserin Manuela hat uns folgende Geschichte zu Ihrer Tarpan-Stute gesendet:

„Und dann kann ich noch ein bißchen was über meine Stute und ihre Nachkommenschaft (bei der der Vater in allen drei Fällen ein gescheckter Shetlandhengst war) erzählen: Ihre Tochter hatte ich selbst zugeritten und bei unserem ersten Ausflug auf der Straße kam uns ein Auto von hinten entgegen – ich dachte, sie würde sich wie alle jungen Pferde erschrecken. Aber weit gefehlt – sie machte sich bereit auszuschlagen! Ich mußte absteigen und sie an den Straßenrand schieben – soweit zum Mut. Auch ihre beiden Söhne waren so mutig wie meine Tarpan-Stute.

Sie selbst stand jahrelang auf einer Koppel, die ein Bachlauf von der Weide trennte. Sie war es also gewöhnt, durch Wasser zu gehen. Als mein Mann dann einen Ausritt mit einer Gruppe Reitern machte, weigerte sie sich, das Minibacherl zu durchschreiten – nix half, sie drüberzubringen. Neben dem Bach lagen 2 Holzplanken und die hatte sie ins Auge gefasst und auch anstandslos überquert! Wer will sich schon die Füße nassmachen, wo es doch eine so schöne „Brücke“ gibt. Meine Tarpan-Stute selbst hatte auch schnell gelernt sämtliche Verriegelungen an Boxentüren aufzubekommen, egal wie raffiniert sie angebracht waren. Tarpane sind also ganz schön clevere Tiere!

Die Freiheit war meiner Tarpan-Stute das Wichtigste. Sie hatte auch ihre ersten beiden Fohlen im Freien bekommen und das Dritte dann bei uns im Stall. Bei jeder Geburt waren Menschen anwesend, sie hat sogar auf die Menschen „gewartet“. Ihre dritte Geburt war gleichzeitig „meine“ erste „Livepferdegeburt“. Sie mußte schon länger Wehen gehabt haben und als ich dann kurz vor Mittag in den Stall ging um die Ausmisterei anzugehen, ging alles ganz schnell und problemlos. Noch am Morgen beim Füttern hatte ich nicht geahnt, dass meine Tarpan-Stute später ein Fohlen zur Welt bringen sollte. Mir kam es tatsächlich so vor, als ob sie auf mich gewartet hätte.

Meine Tarpan-Stute konnte ganz entsetzlich stur sein, wenn sie etwas nicht tun wollte. Nicht einmal meine kleinen Bestechungsversuche mit Leckerlis halfen. Leckerlis – die ließ sie einfach links liegen. Ich habe auch schon von einem Mann gehört, der selbst eine Tarpanstute hatte, die erst reichlich spät mit Menschen in Kontakt gekommen war. Diese Stute hat es geschafft sich mit allen Tricks vom Sattel, Zaumzeug und dem Geschirr durch Abwälzen zu befreien. Leider konnte sie so nie zugeritten werden.

Meine Stute war aus dem Tierpark Haag und kam mit 2 Jahren zu einem meiner Bekannten, der sie in einer Herde Shetlands hielt – mit Hengst (daher die drei Fohlen) und wurde auch angeritten – aber nur „wild“ – also Sattel rauf und losgeht´s. Als ich sie dann als hochträchtige kaufte, ließ ich ihr erstmal viel Zeit sich umzustellen und ihr Fohlen zu bekommen – erst ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft haben wir begonnen, sie richtig zuzureiten.

Und da kam dann auch wieder so eine gemeine Aktion von ihr: ich nahm sie an die Longe und ein Bekannter von mir sollte sie ohne Sattel reiten – das ging ja auch ein paar Runden sehr gut, bis sie sich – und das ganze ging in Sekundenschnelle – mit dem „Hintern“ zu mir drehte und mit der Hinterhand seitlich einknickte. Mein Bekannter fiel in die Brennnesseln. Ich dachte schon, sie würde auch umfallen. Aber weit gefehlt – mit siegessicherem Gesicht stand sie da und guckte „triumphierend“. Jeder Mensch, der sie zum ersten Mal ritt, wurde abgeworfen. Wenn er wieder aufstieg, duldete sie ihn bedingungslos. Wer das nicht mehr tat, hatte auch nie wieder eine Chance auch nur aufzusteigen.

Anders bei Kindern: als ich sie verkaufen musste, hatten wir eine sehr liebe Familie mit zwei Töchtern für sie gefunden. Bei ihnen verhielt sie sich wie das sanfteste Lamm.

Heute wird meine Tarpan-Stute bereits erfolgreich Dressur geritten und gelegentlich springt sie auch einmal. Wen ein Tarpan liebt, dann geht er für ihn durchs Feuer!“ 

Danke Manuela für Deine Tarpan-Geschichte!

Rassenmerkmale des Tarpans

  • Stockmaß: Ca. 125 cm
  • Farbe: Grau in allen Schattierungen, Falben und alle Brauntöne, Zebrastreifen an Vorder- und Hinterbeinen
  • Ursprung und Ausbreitung: Russland, heute Polen
  • Aussehen / Exterieur: harte Hufe, dichte Mähne, dichter Schweif, zierlich, konkaves Profil, schwacher Widerrist, gerader Rücken, leicht absinkende Kruppe, stabiles Fundament
  • Charakter / Interieur: ausdauernd, stark, manchmal dickköpfig, mutig, robust
(Geschichte des Tarpan: eingesandt und geschrieben von Manuela)
Quelle Bild: Robin Müller, (CC:BY,SA)

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