Zweibrücker

Vor etwa 250 Jahren wurde das kleinste Landgestüt Deutschlands in Zweibrücken gegründet. Selbst der französische Kaiser Napoleon Bonaparte war von Zweibrücker Pferden begeistert. Mitte des 18. Jahrhunderts lernte Herzog Christian IV. von Pfalz Zweibrücken die Vollblutzucht in England kennen. Solche Superpferde wollte er für sein Herzogtum auch haben. So kaufte er die edelsten Stuten in englischen Ställen und Hengste aus der französischen Anglo-Normänner-Zucht. Schon 1852 wurden die ersten Gestütshöfe im Herzogtum gegründet, mit dem Zweibrücker Schloß als Zentrale. Auf Deckstationen stellte der Herzog die Hengste den Stuten der Bauern zur Verfügung. Schon nach kurzer Zeit sehr begehrt.

Nach wenigen Jahren schon hatten die Zweibrücker Pferde einen guten Namen weit über die Landesgrenzen hinaus. So kaufte der Preußenkönig Friedrich der Große 1783 über 150 Zweibrücker, um seine Trakehnerzucht zu verbessern. Kurze Zeit später wurde das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken von französischen Truppen besetzt und alle Pferde kamen nach Frankreich. Dort begeisterten sie Kaiser Napoleon so sehr, das er 1806 nicht nur das Zweibrückergestüt wieder einrichtete. Er schenkte ihm sogar seinen berühmten türkischen-arabischen Hengsr „Fayoum“.

Wenige Jahre später, als Napoleons Herrschaft endete, wurden die Zweibrückerpferde wieder in alle Welt zersträut. Aber schon 1816, als das Herzogtum an Bayern fiel, began die Zucht von neuem, dieses Mal vor allem mit Pferden aus Persien, Arabien und England. Bis zum 1. Weltkrieg kamen aus Zweibrückern leistungsfreudige, edle Reit- und Fahrpferde. Dann wurde die Zucht umgestellt, weil schwere Arbeits-Warmblüter gefragt waren. Nach dem 2. Weltkrieg dann gab es ein neues Zuchtziel: den Typ „Deutsches Reitpferd“. Dazu wurden Hannoveraner, Trakehner und Araber eingesetzt. Heute stehen im rheinland-pfäl-zischen Landgestüt in Zweibrücken rund zwei Dutzend Warmblut- und Reitponyhengste. Sie erhalten die alten Traditionen der früher so berühmten Zucht. Fast das ganze Jahr über gibt es dort Veranstaltungen rund ums Pferd: Turniere und Rennen, Hengstparaden und Pferdetage mit viel Publikum.

Rassenmerkmale:

  • Stockmaß: 155 bis 165 cm
  • Farben: Alle Farben, häufig Füchse
  • Ursprung und Verbreitung: Deutschland
  • Aussehen / Exterieur: häufig konvexes Profil, starker Widerrist, kurzer, gerader rücken, relativ gerade Kruppe, stabiles, kräftiges Fundament, harte Hufe
  • Charakter / Interieur: stark, robust, ausgeglichen, widerstandsfähig
  • Haupteinsatzgebiet: Reitpferd

Quelle Bild: Jean, flickr, (CC: BY, SA)

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