Colleen- Freundschaft mit Hindernissen


Colleen- Freundschaft mit Hindernissen

Wie jeden Sonntag saß ich im Wohnzimmer, schaute fern und langweilte mich. Es war Muttertag, na und? Was hatte ich damit zu tun? Ich klickte von einem Programm ins nächste und dachte nicht das dieser Tag mein ganzes Leben verändern würde.

Meine Mutter kam ins Wohnzimmer. „Beeil dich!Zieh deine Reitklamotten an und geh zu Anja! Die haben eine ganz süsse Norwegerstute!“ Das ist ja wohl ein Scherz dachte ich, denn ich und Anja verstanden uns im Moment nicht gut. Später ging ich aber doch. Ich wurde aufgeregt und zog mich schnell um. Was würde mich dort überhaupt erwarten? Würde Anja mich runtermachen oder meinten sie es ernst? Die Reitweide war nur ein paar Meter entfernt, doch um schneller dort zu sein schnappte ich mir das Fahrrad. Ich war fast da. Ich brauchte nur noch die Strasse überqueren und… da sah ich sie. Sie wurde gerade Longiert mit Kutschgeschirr, denn Anjas Eltern wollten sie als Kutschpferd ausbilden. Sie bemerkte mich, spitzte die Ohren und schaute mich an. In diesem Moment hatte ich wohl einen Freund fürs Leben gefunden. Ich machte den obersten Draht auf, um schnell in die Weide zu kommen. Doch leider vergaß ich den unteren und verhedderte mich darin. Was solls, dachte ich und versuchte mich aus meiner misslichen Lage zu befreien. Da kam auch schon Anja mit ihrem kleinen frechen Shettywallach Billy angeritten und half mir, den Kampf mit dem Draht zu gewinnen. Anja wohnte 3 Häuser weiter und hatte einen Shettywallach Billy und einen
Isländerwallach Manitu. Ihre Eltern bilden Kutschpferde aus. Während wir zu der Norwegerstute hinliefen, erfuhr ich, dass sie Colleen heißt, dass sie 5 jahre alt ist und noch nicht eingeritten, sondern nur an Sattel und Trense gewöhnt und wurde vielleicht mal geführt, als ein kleines Kind draufsass. Anjas Eltern hatten Colleen aufgefordert stehen zu bleiben, damit ich sie streicheln konnte. Sie hatte so ein seidiges Fell und klare, treue Augen. Naja ob sie so treu ist, wird sich wohl noch rausstellen. Wir brachten sie zum Haus um sie vom Kutschgeschirr zu befreien und ihr den Sattel aufzulegen. Ging ganz gut, das kannte sie wohl schon. Wir führten die Ponys wieder zur Weide, wo Anjas Eltern Colleen festhielten damit ich aufsteigen konnte. „Unbequemer Sattel“ dachte ich mir, aber naja, ich werde es wohl überleben. Ich ritt los. Naja, Reiten konnte man dass vielleicht nicht nennen. Man merkte das sie nichts kannte und sich den Hilfen widersetzte. Also „zuckelte“ ich hinter dem kleinen Pony meiner Freundin her. Ich fühlte mich nicht sicher auf diesem Pony und vertraute ihm kein Stück beim Reiten, trotzdem versuchte ich es zu traben. Ich konnte sie
weder lenken noch anhalten, also lies ich sie weiter hinter dem Pony meiner Freundin herlaufen. Ich versuchte immer wieder sie zu lenken doch es klappte nicht. Kannte sie es nicht oder wollte sie es nicht? Mein Durchsetzungsvermögen war bei dieser Stute gleich null. Also übten wir das Lenken im abgesteckten Longierzirkel, ohne Anja und Billy. Klappte besser, war aber immernoch nicht gut. Ich musste zugeben das sie einen schönen Trab hatte, auch wenn es mir so vorkam, als würde sie jeden Moment losstürmen. Ich vertraute ihr immer mehr und später hatte ich den Mut, hinter Billy herzugaloppieren. Anjas Eltern warnten mich: „Pass auf vielleicht bockt sie gleich!“ Das konnte ich mir von Colleen schon gar nicht mehr vorstellen und das war ein Fehler. Ich gab Galopphilfe und hab drei Sekunden später den Boden begrüsst. Naja, wie heißt es doch so schön: Reiterleben ist hart… Erst war ich sauer, doch als alle anfingen zu lachen, lachte ich mit. So wie Colleen da ohne Reiter auf der Weide herumtrabte, kam es mir fast so vor als wollte sie sagen: „Das Glück aller Pferde ist der Reiter auf der Erde.“ Kleine Zicke, dachte ich mir. Ich schwang meinen Hintern wieder in den Sattel und wir machten Trabarbeit im Longierzirkel. Später war es genug und wir ritten die Ponys ohne Sattel trocken. „Wie ist es ohne Sattel?“ Fragte mich Anjas Mutter. „Rutschig“ antwortete ich, denn was anderes fiel mir nicht ein. So ging auch dieser Tag zu Ende. Wir versorgten die Ponys und brachten sie in den Stall. Ich ging nach Hause zum Essen. Als später die Tür klingelte war Anjas Mutter da. Sie und meine Mutter verschwanden nach draussen. Keine Gelegenheit zum lauschen! Mist! So zog ich mich vor den Computer
zurück und später kam meine Mutter und klärte mich auf. „Also, die hatten die Stute nur auf Probe und wollen sie jetzt wieder weg geben.“ sagte sie und für mich brach eine Welt wieder zusammen. Das Pony konnte ich zwar nicht reiten, aber ich hatte mich schon in sie verliebt. „Aber! Ich habe Anjas Mutter gefragt ob Colleen nicht etwas für dich wäre und da sagte sie, dass Colleen zu dir passt. Deshalb haben wir abgemacht, das Colleen noch 2 Wochen dort
stehenbleibt und wenn ihr euch in diesen 2 Wochen gut versteht und Fortschritte macht, wird dein Wunsch vielleicht bald in Erfüllung gehen! Natürlich nur wenn du willst!“ Ob ich wollte? Dieses zickige aber doch lammfromme Pony mit den so treuen Augen sollte vielleicht bald mir gehören? Mir blieb der Mund offen stehen und ich fiel meiner Mutter um den Hals. In 2 Wochen hatte ich Geburtstag, wird vielleicht alles doch so werden wie in meinen Träumen? 2 Wochen und noch 2 Reitstunden hatte ich auf meiner Karte frei. Das passt ja, dachte ich, dann
mach ich diese Woche noch einmal Springtraining und nächste Woche noch einmal Dressur. Eigentlich war ich froh, dass ich endlich von den Reitstunden wegkam, denn unser neuer Reitlehrer war einfach unausstehlich. Ständig schrie er rum und lies seine Wut an uns Reitschülern aus. Aber da ich nach den Sommerferien ja eigentlich sowieso ein Pferd kriegen sollte und ich es eigentlich in unserem Dorf bei irgendeinem Bauernhof hinstellen wollte, wollte ich für so kurze Z eit den Hof nicht mehr wechseln. Todmüde lies ich mich ins Bett
fallen. Morgen war dann also meine letzte Springstunde. Springen war nicht gerade meine
Stärke, aber ich machte es eigentlich doch gerne. Schliesslich war es so weit. Ich saß auf dem Pferd und unser Reitlehrer baute gerade Sprünge auf. Heute war er schlecht drauf, war er sowieso meistens und hat auch nur rumgeschrien. Ehrlich gesagt war ich froh, als die Stunde vorrüber war. Da es ja Sommer war und es abends lange hell ist, bin ich noch rübergegangen um Colleen zu putzen. Anja ist diese Woche auf Klassenfahrt also werde ich sie wohl diese Woche immer alleine putzen müssen. Ich führte sie aus der Box und band sie an. Sie schnoberte in meinen Taschen nach einem Leckerlie und fand sogar eines. Das Putzen klappt wunderbar, sie muss nur noch lernen, die Hufe zu geben. Später habe ich Anjas Vater geholfen, die Ponys auf die grosse Weide zu führen und ich habe natürlich Colleen geführt. Eigentlich war sie schon aufgeregt, aber man konnte sie noch halten. Am nächsten Tag nahm ich mir den ganzen Tag Zeit für Colleen. Naja, wollte ich eigentlich, aber Colleen stand auf der grossen Weide und Anjas Mutter ist noch mitgefahren zur Weide. Aber auf dem Weg dorthin hat es so doll geregnet, das wir schon patschnass ankamen. Naja, es war Sommer und es
würde wohl nicht so kalt werden dachte ich. Ich habe Colleen angebunden und geputzt. Sie wurde nur etwas unruhig, weil die anderen Pferde so weit weg waren, aber als Anjas „schwarzes Monster“ in den Offenstall kam und mein Putzkasten auseinandernahm schien alles wieder beim alten zu sein. Jeden Tag war ich nun bei Colleen um sie zu Putzen und mich mit ihr anzufreunden und es klappte immer besser. Am Samstag kam Anja endlich zurück und wir Putzten die Pferde zusammen. Am Sonntag wollten wir etwas reiten, ohne Sattel. Das schien
Colleen gar nicht zu passen. Lenken oder anhalten klappte sowieso nicht und die anderen Pferde liefen frei rum. Als ich endlich oben saß kam meine Mutter mit dem Fahrrad angefahren und Anja trabte zum Tor. „Nein“ dachte ich, und schon war es passiert. Colleen fing munter an zu bocken und ich fand keinen Halt auf ihrem blanken Rücken und da habe ich schon wieder den Boden begrüsst. Eine Woche hatte ich noch Zeit, aber als ich meinen Hintern gerade wieder auf Colleen draufschwingen wollte riss sie sich von meiner Mutter los, bockte
wieder munter drauf los und ich landete genau in den Brennesseln. Autsch, das tat weh! Ich steckte meine Arme in die grosse Wanne wo Wasser für die Pferde drin war, das kühlte. Dann konnte ich nicht anders. Ich weinte in Colleens Mähne rein und sie stand ganz still als wollte sie sagen: „Tut mir leid, das wollte ich nicht“. Als ich mich wieder beruhigt hatte wollte ich es noch einmal versuchen. Diesmal hielt meine Mutter sie besser fest und führte mich ein wenig hinter Manitu, Anjas Isländer, her. Dann lies sie los und ich ritt alleine
im Schritt hinter Manitu her. Dann wollten wir noch ein Stück traben. Colleen machte keine Anstalten zu bocken, noch nicht. Manitu blieb stehen, Colleen lief dran vorbei und verlor Manitu aus den Augen. Sie bekam Panik, bockte und so begrüsste ich zum dritten mal an diesem Tag den Boden. Naja, sie war eben noch nicht eingeritten. In den nächsten Tagen war Schützenfest, aber die Ponys gingen natürlich vor. Wir fuhren jeden Tag hin und putzten sie, Anja ritt auf Manitu aber ich bin nicht auf Colleen geritten. Dafür lies mich Anja ein paar
Minuten auf Manitu reiten. Am Freitag, zwei Tage bevor meine „Frist“ abgelaufen war und zwei Tage vor meinem Geburtstag, sprach Anjas Mutter mit meiner Mutter. Meine Mutter teilte mir mit was Anjas Mutter sagte, und zwar das Colleen ein gutmütiges Wesen hat und nur bockte, weil sie es nicht kennt einen Reiter auf den Rücken zu tragen. Sie besprachen das Colleen zum Einreiten auf einen Reiterhof soll, denn das ich sie haben möchte, hatte ich meiner Mutter längst gesagt. Am Samstag, einen Tag vor meinem Geburtstag kam der Händler zu
Anjas Eltern und meine Mutter ging rüber um alles zu klären. Ich hatte Angst, es würde etwas schieflaufen und wir würden Colleen doch nicht kaufen, aber alles ging glatt. Wieder fiel ich meiner Mutter um den Hals. „Aber offiziell bekommst du sie erst morgen dann ist es dein Geburtstagsgeschenk“ sagte sie mir, aber das machte mir nichts. Da am Abend die Gäste kommen sollten weil ich reinfeiern wollte, machte ich alles fertig. Später ging ich dann noch mit
Anja zu den Ponys um MEINE Colleen zu putzen. Meine Geburtstagsfeier war super und von jedem bekam ich was für Colleen geschenkt. An meinem eigentlichen Geburtstag, den 26.5 wurden alle Gäste dann mittags abgeholt, und wir brachten Colleen zum Einreiten auf den Reiterhof. Als wir sie aus dem Hänger führten war sie so aufgeregt, das sie mir auf den Fuss trampelte. Dort bildete sich ein grosser blauer Fleck. Wir brachten Colleen in die Box und fuhren auch
sofort wieder nach Hause, weil ich noch genug zu tun hatte.

Am nächtsten Tag fuhr ich natürlich sofort wieder zu Colleen und das ich nicht so alleine bin habe ich meine Freundin Nina mitgenommen, denn ich kannte dort ja noch keinen. Ich fragte ein Mädchen, wie das denn hier ablief, ob ich Colleen einfach so von der Weide holen könnte und so. Das Mädchen verdrehte die Augen und sagte: „Natürlich kannst du sie so von der Weide holen wenn es dein Pony ist.“ Das fängt ja heiter an dachte ich. Die erste Woche holte ich Colleen immer zum putzen und dann um sie im Wald spazieren zu führen, denn reiten durfte ich sie ja noch nicht. Am Wochenende war ich dann mit meiner Mutter da und als wir kamen sahen wir, das Colleen gerade geritten wurde. Ich schaute zu, Colleen hat sich wirklich verändert. Sie bockt nicht mehr und ist langsam und ruhig geworden. Das Mädchen kam zu uns geritten. Wir erfuhren das sie Hanna heißt und ich fand sie eigentlich ganz nett. Ich durfte Colleen sogar noch im Schritt reiten. Zugegeben ich hatte am Anfang Schiss, dass sie mich runterbockt, aber sie ist so lieb und ruhig geworden das diese Angst bald verflog. Ungefähr eine Stunde ließ ich mich so dahinschaukeln. Fünf Tage später, am Donnerstag, hatte ich meine erste Reitstunde auf Colleen. Ich bin auch das erste mal seit ich runtergefallen bin wieder mit ihr getrabt. Davor hatte ich echt Angst, denn Anja ist mit Manitu auch mitgeritten. Anja ist vorgeritten und ich bin hinterher getrabt. Es war wieder dieser Trab wo ich dachte, sie würde mich jeden Moment runterbocken. Aber sie tat es nicht. Sie trabte leicht dahin, als wäre das das normalste der Welt. Später musste ich feststellen das sie
furchtbar klebte, und zwar als ich bei A und Anja bei C auf dem Zirkel reiten sollte. Immer wieder rannte sie auf den anderen Zikel zu Manitu. Selbst meine „Reitlehrerin“ hat es nicht geschafft. Als die Stunde zu Ende war, sind Anja und ich noch weitergeritten. Anja ist auch gallopiert, aber ich bin nur getrabt. Ein paar Mädchen habe ich schon etwas kennengelernt, zumindest kannte ich ein paar Namen. In der Schule musste ich mich damit abfinden dass ich
„out“ war, denn Pferde sind ja nur was für kleine Kinder. Aber das machte mir nichts aus. Am Wochenende kam meine Mutter mit zu Colleen. Sie wollte sehen wie ich mit Colleen zurechtkomme. Heute durfte ich sogar meinen ersten Galopp versuchen! Wieder wurde ich gewarnt das sie vielleicht gleich bockt, diesmal war ich auch so schlau und hörte drauf. Das wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn als ich Gallophilfe gab, wusste Colleen wohl nicht was ich von ihr wollte und trabte erstmal 4 oder 5 Runden munter weiter. Erst als ich noch doller die Schenkel randrückte, schaffte ich es, sie ein paar Schritte in den Galopp zu
bekommen. „Sie hat einen wunderbaren Gallop“ dachte ich. Ich lobte sie ausgiebig und ließ sie im Schritt laufen. Danach putzte ich sie kurz über und stellte sie auf die Weide. Ich schwitzte, durch die Anstrengung und weil es sowieso schon so heiß war. Aber ich war glücklich. Jeden Tag übte ich mit ihr den Gallop und wo ich Gallophilfe gab, fing sie immer an zu bocken. Doch immer blieb ich oben. Später klappte es dann sofort, ohne zu bocken. Unter den Mädchen konnte ich mich immer besser unterordnen und mit Steffie habe ich mich mehr
oder weniger übers Internet kennen gelernt. Ich wollte endlich mit Colleen das erste mal ins Gelände. Das klappte auch bald. Es waren ein paar Kinder da, die nur kurz im Schritt und Trab ins Gelände wollten und ich schloss mich an. Es klappte super, sie benahm sich, als wäre sie schon hundertmal im Gelände gewesen. Am nächsten Tag fragte mich Steffie, ob ich nicht mit ihr ausreiten wolle. Klar wollte ich. Romy kam auch mit, sie kannte ich auch schon vom sehen. Wir sind dann zur Kiesgrube geritten, und Romy überredete mich, meinen ersten
Gallop im Gelände zu starten. Also gallopierten wir über eine Wiese. Es war super. Colleen machte keine Anstalten zu bocken, sie musste nur immer dicht bei den anderen Pferden sein, weil sie sonst unsicher wurde. Am nächsten Tag ritten nur ich und Steffie aus. Wir ritten zum „Faulen Ei“ und zum „Gallopberg“. Es war super. Steffie erzählte mir von einem 2-Tagesritt und ob ich nicht auch mitkommen möchte. Natürlich wollte ich! Sofort fing ich an mich darauf zu freuen. Ich lernte die Holländerin Louisa kennen und wir ritten oft gemeinsam aus. Ich ließ mich von den Mädchen überreden auf dem Sommerfest die Reitvorführung „Wonderland“ mitzureiten, was ich aber sofort bereute. Ich dachte mir aber, erst kommt der 2-Tagesritt, und darauf kannst du dich freuen. Doch eine Woche vor dem 2-Tagesritt wurde Colleen krank. Die Lymphknoten waren angeschwollen und sie hatte starken Schnupfen. Ich hatte Angst nicht mitreiten zu können, doch Colleen wurde rechtzeitig wieder gesund. Am Tag, wo der Ritt losgehen sollte, kam ich schon etwa um 11 Uhr Morgens. Es waren ja mittlerweile Sommerferien. Der Ritt sollte um 5 Uhr Abends starten, und zwar nach Hardingen. Dahin ritten wir ca 6 bis 10 km. Ich holte Colleen von der Weide, putzte sie gründlich und war mit dem Satteln vor allen anderen fertig. Endlich ritten wir los. Colleen war unruhig und als wir antrabten hatte ich Probleme sie hinten zu halten. Später hat sie sich aber wieder beruhigt. Wir sind fast nur durch den Wald geritten, nur 2 Hauptstrassen mussten wir überqueren. Natürlich sind wir auch gallopiert, aber nicht zu viel, denn die Pferde durften noch nicht müde werden. Auf dem Weg dachten wir uns aus, wie denn alles ablaufen sollte. Wir wollten unter freiem Himmel schlafen, denn es war ja Sommer und es war warm genug.Wir kamen dem Ziel näher und ich erkannte die Gegend wieder. Ich war schon oft in Hardingen denn meine Freundin wohnte mal dort und hatte dort auch Pflegepferde. Ich war schon sehr überrascht als ich bemerkte das dieser Hof, dem unsere Zeltweide gehört, derselbe ist wie der, wo meine Freundin ihre Pflegepferde hatte. Wir ritten auf den Hof und wurden zur Zeltweide
begleitet. Der weg zur Weide führte zwischen zwei Maisfeldern lang, was wir dann
ausnutzten um noch einmal schnell zu Gallopieren. Dann sattelten wir ab und brachten
die Pferde auf die benachbarte Weide. Markus, Klaus und Fritz kamen um unsere Sachen vorbeizubringen. Die Erwachsenen fingen an zu Grillen und wir bauten das Zelt auf. Das war nicht ganz einfach und es ist uns ein paar mal wieder zusammengefallen. Schließlich hat es doch geklappt und hungrig setzten wir uns an den Tisch um zu Essen. Als unser Hunger gestillt war, legten wir unsere Schlafsäcke zurecht und setzten uns um zwei Fackeln, aßen Chips und erzählten uns Geschichten. So um 1 Uhr nachts bekamen wir alle ein paar Regentropfen ab und so wurde es nichts mit dem Schlafen unter freiem Himmel. Wir mussten
mit einem Feuerzeug für Licht sorgen, denn keiner von uns hatte eine Taschenlampe dabei. Schliesslich schliefen wir aber doch alle ein.
Am nächsten Morgen wurden wir fast alle um die gleiche Zeit wach. Wieder hieß es Tischdecken. Hannas Mutter kam und hat uns allen belegte Brötchen gebracht. Als wir mit dem Frühstück fertig waren, mussten wir alles wieder abbauen. Als wir die Ponys holen wollten, stellte ich fest das mein Pony über Nacht grün geworden ist, denn sie hatte sich genüsslich im Grass gewälzt. Als wir endlich mit dem Satteln fertig waren, ritten wir los. Auf dem Bauernhof machten wir noch einmal Halt und zum Dank schenkten wir den Leuten eine Flasche Wein. Diesmal wollte´n wir eine andere Strecke nehmen, doch den Weg kannte keiner so
genau. So probierten wir viele Wege einfach aus und daduch konnten wir viel Gallopieren. Als wir wieder da waren wo ich mich auskannte, liessen wir die Pferde noch einmal besonders schnell Gallopieren. Dann ritten wir zurück zum Stall. Als ich am nächsten Tag ankam, stand Colleen wieder auf ihrer heißgeliebten Weide. Der 2-Tagesritt hatte ihr genauso viel Spass bereitet wie mir. Nun aber stand die nächste Veranstaltung bevor: Die Reitvorführung. Nach heftigem Protestieren wurde ich doch dazu überredet mit Colleen die Abteilung anzuführen. Wir probten immer wieder, und nach der ersten Probe hatte ich auch richtig Spass daran. Erst wollte ich ja gar nicht mitreiten. Der grosse Tag rückte immer näher und dann war es so weit.
Ich lag in meinem Bett. Irgentetwas war heute anders. Dann fiel es mir wieder ein. Sommerfest, Wonderland, warum hatte ich mich nur überreden lassen? Ich spielte mit meinen Zöpfchen, die ich mir am vorrigem Abend geflochten hatte damit meine Haare für die Vorführung schön wellig sind. Heute ist Sommerfest auf unserem Reiterhof und ich sollte zusammen mit den anderen das Stück Wonderland vorreiten. Mein Herz klopfte. Was ist wenn ich die Dressur vergesse? Ich sollte vorne reiten und die ganze Gruppe anführen. Was ist, wenn meine Stute sich wieder nicht lenken lässt? Ich fiel wieder in einen leichten Schlaf. Es klopfte an meiner Tür und meine Mutter kam rein. „Guten Morgen meine Elfe. Heute ist dein grosser Tag!“ Elfe! Ich reite als Elfe! Wie ging das nochmal? Ganze Bahn, 3 Bögen… Ja ich kann es noch! Bis 22 Uhr hatte ich noch Zeit, um 20 Uhr treffen, es muss einfach klappen! Ob die anderen auch so aufgeregt sind? Nach dem Frühstück kam dann Anja zu uns rüber, was mir aber nicht gerade half. Sie dachte sich lauter Sachen aus die schief gehen könnten, und so
kam es das ich noch nervöser wurde und die Dressur noch mindestens 10 mal durchging. Die Zeit verging langsam und ich wünschte mir, das es schon vorbei wäre. Wir schauten noch einmal meine Kleidung durch, dann, nach langer Zeit, war es soweit. Anja sollte bei uns im Auto mitfahren, deshalb half sie mir beim Umziehen und gab mir noch ein paar Schönheitstipps. Als wir auf dem Hof ankamen wurde ich geschminkt. Ich schaute in den Spiegel und bürstete meine Haare noch einmal durch. Ich ging zum Putzplatz wo die anderen Colleen bereits angebunden hatten. Ich dachte an die Proben zurück. Colleen ließ sich oft nicht mehr lenken und rannte einfach drauf los. Doch heute schien sie meine Aufregung zu spüren und stupste mich zärtlich an. Nachdem ich geputzt und gesattelt hatte setzte ich mich mit den anderen in die Runde. Sie waren wohl gar nicht aufgeregt und zusammen gingen wir alles noch einmal durch. Uns blieben noch 10 Minuten und wir begangen warm zu reiten, und die Umhänge zu befestigen. Dann war es so weit. Wir stellten uns auf und Klaus kam um uns zu fragen ob wir bereit wären. Dann fing die Musik an und das Tor wurde geöffnet. Ich trieb
Colleen in den Trab und wir ritten in die Bahn. Colleen sprang immer wieder zur Seite weil sie vor den Lichtern und den Zuschauern Angst hatte, aber als ich auf dem 2. Hufschlag weiterritt ging es. Wir ritten die Dressur ohne Zwischenfälle und meine Aufregung war wie weggeblasen. Colleen machte ihre Sache super, sie wusste das es mir wichtig war. Wir verkleinerten einen Mittelzirkel so sehr das daraus eine Volte wurde und wir alle in der Mitte standen. Dann wurde das Tor geöffnet und die Vampiere gallopierten herein. Sie schlossen uns ein und wir konnten nicht fliehen. Blitze schossen in die Luft und wir Elfen
gerieten in Panik. Doch dann kam die Rettung. Eine Fee ritt auf ihrem stolzem Einhorn und verzauberte uns. Funkenregen sprühte in die Luft , es war wunderbar. Alle schüttelten sich die Hände und gallopierten zusammen ein paar Runden durch die Bahn. Dann stellten wir uns auf und die Zuschauer waren begeistert! Es war wunderschön! Und ich habe gelernt Colleen zu vertrauen…

Langsam ging der Sommer zu Ende, der beste Sommer den ich je gehabt hatte. Sogar meine Mutter kam nochmal dazu sich aufs Pferd zu schwingen. War eigentlich ganz lustig, denn endlich hatte ich mal die Verantwortung für meine Mutter… Fast jeden Tag war ich jetzt da und am meisten bin ich mit Louisa ausgeritten. Colleen ließ sich jetzt einiges gefallen und so putzte ich sie öfters „von oben“. Der Herbst rückte immer näher und somit auch unser Herbstfest. Das Herbstfest war nichts grossartiges. Wir führten noch eine verlängerte
Form des Stückes Wonderland vor was eigentlich recht gut klappte. Draussen wurde es immer kälter, der Boden fror und es blieb uns wenig Gelegenheit zum Reiten. An den Tagen, an denen der Boden wieder weich war, genossen wir es, uns auf unseren Ponys umherschaukeln zu lassen. So auch an einem Tag. Aber dieser Tag sollte wohl nicht so schön werden. Ich gallopierte gerade über ein Stoppelfeld, als Colleen fürchterlich zu Husten begann, was mir dann
doch schon Sorgen bereitete, da sie es die letzten Tage auch schon ein paar mal getan hat. So ritt ich im schritt zurück und Colleen bekamm Hustenpulver. Da dieses Zeug relativ schnell wirken sollte ritt ich am nächsten Tag in der Hoffnung das es Colleen wieder besser geht, wieder aus. Doch leider war keine Verbesserung eingetreten. Sie hustete trocken und als es ihr in den nächsten Tagen nicht besser ging, holten wir den Tierarzt. Colleen braucht Hustensaft, aber das schlimmste, sie muss nachts in der Box stehen. Und ich wusste, meistens kam niemand dazu, sie tagsüber auf die Weide zu stellen. Der Boden fror hart, sodass man nur noch im überdachten Longierzirkel etwas arbeiten konnte. Colleen passte es überhaupt nicht in der Box zu stehen, und sie sponn rum als ob sie vom Hafer gestochen wurde. Der Husten wurde mit der Zeit besser, und der Boden für ein paar Tage wieder weich. Ich hatte Colleen ungefähr 2 Wochen nicht richtig bewegen können, und eigentlich graute es mir, sie das erste mal wieder zu reiten. Das erste mal sollte gleich ein Ausritt sein. Anjas Eltern fuhren mit der Kutsche und Anja und ich wollten hinterherreiten. Colleen sponn schon, als ich nur stand und wartete bis sie mit dem Anspannen fertigwurden. Sie ging rückwärts, bockte und machte sogar ansätze zum Steigen. Später wurde es mir zu viel. Anjas Eltern würden noch etwas brauchen also ging ich noch etwas in die Reitbahn zum Abreiten. Ausnahmsweise hatte ich mir eine Kappe aufgesetzt, und das will bei Colleen was heißen. Colleen bockte nur rum was
wohl total witzig aussehen musste, denn alle anderen standen am Zaun und haben sich totgelacht. Colleen bockte manchmal so heftig das sie aufpassen musste, sich nicht die Beine zu verknoten. Dann war es so weit. Wir ritten hinter der Kutsche her. Colleen hatte ausnahmsweise mal einen schnellen Schritt drauf. Das Traben klappte gut, aber sie schmiss noch manchmal ihren Hintern hoch. Später gallopierten wir ein kleines Stückchen und diese Gelegenheit nutzte Collen um noch einmal heftig zu Bocken. Das letzte mal Bocken für heute, denn sie hatte sich wohl ausgepowert. Die harte Zeit kam aber erst, oft war Glatteis so
dass ich nicht zum stall kommen konnte. Und wenn ich da war, war der boden zu
hart um etwas zu machen. Colleen bekam ihre Hufeisen ab, damit sie beim Schnee nicht so rutschen würde. Das war super! Denn kaum war der Boden weich und ich beim Stall fing es heftig an zu schneien. Erst wollte ich ja gar nicht Reiten aber ich dachte mir: „so eine Gelegenheit kommt nie wieder!“ Ich und Natascha ritten los. Es war super, als erste Spuren in den Neuschnee zu stapfen. Mindestens 10 cm Schnee waren es! Colleen wurde das erste mal bei Schnee geritten und das weisse Zeug kam ihr etwas seltsam vor. Als wir gallopierten, sah
Colleen etwas und machte eine Vollbremsung. Es war einsame Spitze, alles war weiß!!! Leider mussten wir unseren Ausritt auch mal beenden und ritten gut gelaunt zum Stall zurück. Doch dieser schöne Schnee sollte nicht lange liegen bleiben, es taute, fror und der Boden war wieder zu hart zum Reiten. Doch zum Glück gab es auch ein paar Stellen im Wald, die weich waren, auch Stoppelfelder! Damit mussten wir uns zufriedengeben bis es wieder wärmer wurde. Das dauerte nicht lange. Es war Ende Februar, und die Sonne schien. Nun reichte es, wenn man statt vier oder fünf nur einen Pullover anhatte. Der Offenstall war fertig und Colleen konnte mit Savanna im Offenstall stehen. Seit dem ist sie beim Reiten wieder ausgelastet. Sie bockt nicht mehr und ist auch so ganz lieb. Es ist schön wenn es draussen wieder wärmer wird und die Vögel wieder zwitschern. Colleen lässt sich wieder alles gefallen. Es werden noch viele schöne und spannende Tage kommen, die ich mit Colleen erlebe, das weiß ich. Unser Kennen hatte sich zu einer innigen Freundschaft vertieft. Wenn ich auf der Weide auf ihr sitze und mich umhertragen lasse denke ich: „Ist das dieses Pferd, was mich früher runtergebuckelt hat?“

eingesandt und geschrieben von Annabell
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(letzte Aktualisierung: 18.05.2003)

1 Gedanke zu „Colleen- Freundschaft mit Hindernissen“

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