Sunny

,,Suuuunnyyyyy“, tönte es durch den ganzen Stall. Ich hob überrascht meinen Kopf und luckte aus meinem Boxfenster in die Stallgase. Herr Gott, es war halb sechs Uhr morgens, normale Pferde schliefen um diese Zeit noch. Ich schaute ihr entgegen, wie Alina, die kleine fünfjährige Schwester meiner Besitzerin, auf mich zu gehüpft kam. ,,Wenn du keine Möhre für mich hast, kannst du gleich wieder auf dem Absatz kehrt machen“, rief ich ihr zu. Alina grinste glücklich. Was bitte war da so witzig?? ,,Na, Sunny…“, sagte sie und dehnt meinen Namen wieder sooooooo endlos…

,,Naaa Alina…“, äffte ich sie nach und stupste sie an. Beinahe hätte sie ihr Gleichgewicht verloren, aber nur beinah. Ich vergas manchmal einfach meine Kraft. ,,Guck mal was ich für dich habe“, sagte sie zu mir und kramte in ihrer Tasche. Bitte lass es eine Möhre sein! Bitte lass es doch lieber zwei Möhren sein.., flehte ich. Nein, es war ein Apfel, aber das ließ ich gerde noch so durchgehn… Zufrieden nahm ich mir den Apfel, wie selbstverständlich, aus ihrer Hand und kaute drauflos. ,,Und was führt dich, in aller Frühe zu mir in den Stall?“, fragte ich ihm Plauderton. Alina kicherte und strich mir über die Stirn,, Der Apfel, schmeckt dir, oder?“, lachte sie. Wieso antwortete sie nicht einfach auf meine Frage? Sprach ich etwa eine andre Sprache?? Alina strich mir immer noch über die Stirn. Inzwischen hatte ich zu Ende gekaut und stupste sie wieder an. ,,Duuuu, wo ist Ana?“

Die Antwort war wieder gekicher. Du meine Güte, kannst du auch mal was anderes als ständig Gackern?? ,,Wo ist Ana?“, wiederholte ich mich. Doch mir blieb lästiges gekicher,als antwort erspart, denn Ana kam, wie aufs Stichwort, in den Stall. Frische Luft wehte noch in den Stall, bevor die Stalltür mit einem Knall zuflog. So, jetzt waren die letzen Pferde auch entgültig wach!

,,Hi, mein schatzii“, rief sie und kam mit großen Schritten auf mich zu…,,Sorry, das wir heute so früh das sind, aber wir müssen ja auch noch misten und ich muss dann auch so früh wieder weg!“, erklärte Ana mir. Na endlich jemand, der sein kleinens unschuldiges, hilfloses Pferd nicht im Unklaren lässt! Stop mal…Wieso so früh weg?? Ist da jemand anders?? Ich durchbohrte Ana mit meinem fragenden Blick. ,,Hab heute nämlich ein Date“, erklärte sie weiter! Ein Date! So So! Empört schnaubte ich: ,,Also wenn du jetzt nicht mindestens ein Leckerli und zwei Möhren für mich hast, dann bin ich beleidgt!“ Und sie gab mir zwei Leckelis und drei Möhren. Ja die Welt war wieder in Ordnung! ,,So Süßer, na komm mal rauß“, befahl Ana mir nach dem sie mir das Halfter über den Kopf gezogen hatte und führte mich aus meine Box zum Putzplatz, Alina dackelte uns die ganze Zeit hinerher, wie ein braves Hündchen… Draußen band sie mich fest, drehte sich um und ging in den Stall zurück um die Putzbox zu holen…,,Stop, nein komm zurück, lass mich nicht mit dem kichernden Monster allein!“, rief ich, doch Ana war bereits wieder im Stall verschwunden. Allein… Ich schaute misstrauisch zu Alina hinunter, die mir bewundernd über den Hals strich. Ja ich weiß: ich kann auch nicht glauben wie unglaublich toll ich bin. Bewunder mich bloß weiter! Tja…, aber genau zwei Sekunden später war es dann vorbei mit dem bewundern, denn Ana kam wieder, mit ihrem riesigen Putzkoffer… Okay, wenn der Putzkoffer sooo groß war dann konnte das bloß ewig dauern…

Wieso machte Ana sich eigentlich die Mühe?? Wieso machte ICH mir die Mühe, mich in den Dreck zu legen, wenn Ana mich doch wieder putze? Jeden Tag, aufs Neue erklärte Ana mir den Krieg, indem sie diesen Putzkoffer anschleppte..Und ich nahm ihn gerne an… Na warte bis ich auf der Weide bin. Teuflisch  grinste ich in mich hinein. Ich spürte eine weiche Bürste, irgendwo an meiner Schulter, das war Alina, denn höher als bis dahin kam sie nicht.Ana nahm sich währrend dessen meine Hufe vor.Und ich meine das wörtlich, sie kratzte und bürstete an meinem linken Vorderhuf, fast eien Ewigkeit um diesen kleine Stein da weg zu bekommen. Langsam schlief mein Fuß ein… und da half es gar nicht das die zweite Bürtse unter meinem Bauch war und mich kitzelte.Ich schnaubte verärgert. Doch keine Reaktion, beide waren zuuuu beschäftigt, mich auf Hochglanz zu polieren, als mich zu beachten. Sollen die anderen Pferde, etwa noch neidischer werden, als sie sowieso schon sind??

Endlich stellte Ana meinen Huf ab, und nahm sich meinen linken Hinterhuf vor. Zu meine unwahrscheinlichem Glück, dauerte es diesmal nicht so lange..Alina bürstete inzwischen meine Füße sauber und Ana gelangte zu meinem dritten Huf. Ich schnaubte gelangweilt..Wie zu erwaten keine Reaktion. Ohh wie ich mich auf die Weide freute…auf das schlammloch. es hatte heute Nacht so schön geregnet… Ana war inzwischen an meinem rechten Hinterhuf angelangt und Alina hatte sich auf den Weg zur Putzbox gemacht um sich einen feinzinkinkingen Kamm zu holen. Endlich war auch mein letzter Huf ausgekratz und stand wieder aufrecht auf dem Boden. Du glaubst nicht wie nervig das ist auf drei Beinen zu stehen…und vorallem wie langweilig…Ich glaube ich schlafe jeden Moment ein, hoffentlich fängt mich irgendjemand auf, bevor ich umkippte. Aua! ich schreckte auf. Alina kämmte mit brachialer Gewalt meine wunderschönen Schweif und riss dabei schmerzvoll meine Schweifhaare rauß. ,,hey ein bisschen vorsichtiger“, sagte Ana und legte die Bürste weg um Alina zu zeigen wie es richtig ging. Ich seuftzte, viel besser! Ana nahm sich iher Bürste wieder und begann mich am Rücken zu putzen. Sie entfernte erst den groben Schmutz und fing dann an mit einer weicheren Bürste über mein Fell zu streichen und den Staub weg zu machen. Ich began das richtig zu genießen und ließ sogar den Kopf sinken, damit Alina mir auch meine Mähne kämmen konnte. Sie machte das richtig gut… ein Vorteil, gibt es schon bei dieser Putzaktion, man kriegt eine super Massage…Ana und ihre Schwester knieten sich so in die Arbeit rein, das ich mir schon langsam Sorgen machte, dass ich gleich anfing zu glänzen und ich als Taschenlampe missbrauchte werden könnte. Und ich glänzte tatsächlich, als Ana die Bürste dann erschöpft schnaubend in die Putzbox warf. Alina grinste stolz von einer Wange zur anderen…Jaaa ich musste noch umwerfender aussehen, als sonst.

,,So fertig“, seufzte Ana und band mich los. ,,Jetzt gehts ab zur Weide und wenn du wieder in die Box kommst, ist sie schön sauber, so wie du jetzt!“ ,,Denkst du!“, entgegnete ich ihr und sah hoch zu Weide.

Ana führte mich zusammen mit Alina über den Hof, Richtung Weide. Ich konnte es kaum erwarten. Aufgeregt tänzelte ich hinter Ana und alina her. Noch ein paar Schritte…Endlich! Ana öffnte das Weidentor und hakte den Führstrick vom Halfter. Ich machte einen kurzen Bocksprung und sprintete los. ,,Schlammloch, ich komme!“

eingesandt und geschrieben von Olga Nickel

Schreibe einen Kommentar