Pferdegedicht: „Abschied von Willy“

Ich schämte mich bei Tag zu geh`n,
die Leute lachen schnell,
und dennoch muss ich`s einmal seh`n,
ein letztes Mal am Barren steh`n,
noch einmal glänzt das Fell.
Ich heb` den Striegel von der Wand
und streich` den Rücken ab,
mir zittert dieses Mal die Hand,
ich trete aus dem Stand
und leg` den Striegel wieder ab.
Noch einmal schütt` ich Hafer vor,
noch einmal schau ich hin,
dann tret` ich leise aus dem Tor
und schieb` den Riegel außen vor,
als hätt` das einen Sinn.
Am Morgen es ist nebelgrau,
fährt einer fort damit,
und wie ich aus dem Fenster schau`,
ist leer der Stall, im Nebelgrau
trabt viel Verlor`nes mit.

eingesandt von Miriam Große Veldmann, die es geschrieben hat als ihr erst 6-jähriges Pferd vor einem halben Jahr zum Schlachter gebracht werden musste, da er einen Riss im im Miniscus und dadurch eine unheilbare chronische Periostitis hatte

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