Mein Munky – Eine selbst erlebte Geschichte

Es ist schon einige Jahre her, da fing ich an zu reiten. Es war auf einem Ferienhof in der Nähe von Flensburg. Er nannte sich „Lindenhof“. Zur Ferienzeit waren dort ziemlich viele Kinder im Urlaub. Doch in der Schulzeit war es dort immer ziemlich leer.

Zuerst ritt ich eine Pintostute namens Topsy. Die hatte ich sehr lieb. Doch eines Tages lernte ich Munky kennen. Er war ein Schimmelwallach, Stockmaß ungefähr 168 cm. Seine Abstammung wußte niemand. Bei mir war es sofort Liebe auf den ersten Blick. Er war nicht ganz einfach, das wurde mir gleich gesagt. Er war ein Weber, dafür hing ich ihm einen alten Autoreifen in die Box. Damit hat er immer gespielt. Außerdem war er ein Kleber. Die anderen Reiter mochten ihn deshalb nicht. Das war mir egal. Ich mochte ihn. Nach der Reitstunde ging ich immer eine halbe Stunde spazieren, das hatte er gerne. Wir beide verstanden uns recht gut. Das ging soweit, dass er, wenn ich in den Stall kam und „Munk, Munk“ rief, er aus seiner Box schaute und laut wieherte. Dann bekam er meistens einen Apfel von mir. Auch Mandarinenstückchen verachtete er nicht. Am liebsten mochte er Eukalyptusbonbons. Auf die war er ganz wild. Am schönsten war es, wenn wir beide ganz alleine in der Reithalle waren. Da war niemand der ihn nicht mochte.

Eines Tages, es war auf einem Ausritt, fiel ich von ihm herunter. Ich konnte zu der Zeit noch nicht sehr gut reiten. Ich brach mir den rechten Arm. Es geschah ungefähr so: Wir befanden uns auf einem Ausritt auf einer Strecke, auf der normalerweise galoppiert wurde. An dem Tag wollten wir aber im Schritt gehen. Die Pferde merkten genau, dass wir uns auf einer Galoppstrecke befanden und preschten los. Ich hatte große Mühe mich auf dem Sattel zu halten und rutschte immer weiter nach rechts, Richtung Erdboden. Schließlich konnte ich mich nicht mehr halten und fiel vom Pferd, mit dem Kopf auf einen Stein, der am Wegrand lag. Zum Glück trug ich eine Reitkappe, sonst würde ich jetzt nicht hier sitzen und diese Geschichte schreiben. Ich kam mit einer Gehirnerschütterung und einem gebrochenem Arm davon.

Die nächsten drei Monate konnte ich nicht reiten. Trotzdem besuchte ich meinen Munky fast jeden Tag. Als ich wieder reiten durfte, war ich wieder fast jeden Tag auf dem „Lindenhof“. Man sah, wie gut ich mich mit Munky verstand und bot ihn mir als Pflegepferd an. Darüber war ich sehr froh. Wir erlebten viele schöne Ausritte, denn das Kleben hatte ich ihm abgewöhnt. Das merkwürdige war, dass wenn ich ihn ritt, er nicht klebte; wenn eine andere Person ihn ritt, begann er wieder damit.

Nach einigen Monaten wechselte ich meine Arbeitsstelle. So mußte ich ihn als Pflegepferd abgeben. Da war ich sehr traurig. Ich hoffe, dass er einen neuen Reiter bekommen hat, der so viel Einfühlungsvermögen hat wie ich.

eingesandt und geschrieben von Stephan Brügmann

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