Lusitano

buckskin lusitano stallion runs free in spring field
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Der Lusitano – Pferd der Könige und Toreros

Der aus Portugal stammende Lusitano (oder Lusitaner) ist mit dem spanischen Andalusier und dem Berber verwandt. Mittelgroß, kompakt und im Quadratpferdetyp stehend, bringt der Lusitano viele Eigenschaften mit, die sowohl bei Adeligen wie auch bei Stiertreibern besonders geschätzt wurden. Mut, Wendigkeit und die Fähigkeit auch mit der Garocha ausbalanciert zu galoppieren, gehören ebenso zu seinen Stärken wie eine besonders ausgeprägte Rittigkeit, ein enger Bezug zum Menschen aber auch seine raumgreifenden Gänge.

Zuhause an den Königshöfen Europas

Da wundert es nicht, dass sich dieses Warmblut zum Pferd der Könige entwickelt hat. Nicht nur in Portugal, auch in anderen Königshäusern des europäischen Kontinents, war die Rasse über Jahrhunderte hinweg sehr beliebt. Mit dem Talent für die Hohe Schule gesegnet, wurden Lusitanos in Frankreich, Österreich, in Dänemark und Schweden an den Reitschulen gesattelt. Pferde mit ausgefallenen Farben wie Cremellos, Perlinos, Falben und Isabellen waren dabei an den Höfen der Adeligen besonders gefragt. Besonders häufig sind jedoch Schimmel bei dieser Rasse.

Arbeitspferd mit exzellenten Eigenschaften

Diese alte Rasse, die von Andalusiern abstammt, wurde zunächst für leichte landwirtschaftliche Arbeit genauso eingesetzt wie als  Reitpferd der Stiertreiber. Die Selektion der Zucht fand sehr lange auf Basis der für das Stiertreiben benötigten Eigenschaften statt. Hierzu zählen vor allem Mut und Reaktionsschnelligkeit. Das Pferd, das für die Arbeit mit den schwarzen Stieren des Alentejo gesattelt wurde, musste zuverlässig sein. Nervenstärke und Mut sind daher herausragende Eigenschaften bei Pferden dieser Rasse.

 

lusitano horse portrait
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Der Lusitano – die Zucht

Lusitanos waren und sind ausgesprochen gute Reitpferde. Zunächst wurden Lusitanos im Zuchtbuch der „Pura Raza Espanola“ geführt, das im Jahr 1912 gegründet wurde. Im Jahr 1967 wurde das Zuchtbuch „Pure Sangue Lusitano“ eingerichtet – seitdem wird der Lusitano als eigenständige Rasse geführt. Seit 1992 gibt es sogar eine eigenständige Vertretung der Lusitano Zucht in Deutschland, die Cavalo Lusitano e.V.

Vielseitig talentiert

Seine Anmut und sein Bewegunspotential prädestinieren den Lusitano für die Arbeiten der Hohen Schule. Zudem werden die Pferde dieser Rasse im portugiesischen Nationalsport, dem – unblutigen – Stierkampf eingesetzt. Dieser wird nur vom Pferd aus betrieben und die Pferde sind hoch geschult und reagieren auf die kleinste Hilfe des Reiters. Es ist ein ergreifender Anblick, wenn sich das Pferd mutig dem angreifenden Stier stellt und erst im letzten Augenblick ausweicht. Wird ein Pferd beim Stierkampf verletzt oder gar getötet, wird dies als großes Unglück angesehen.

Der Lusitano im modernen Sport

Heute ist der Lusitano auch im Sport sehr begehrt. Bei den klassisch-barocken Prüfungen oder bei Working Equitation Turnieren beweisen die aus Portugal stammenden Pferde stets großes Talent. Selbst im großen Dressurviereck sind sie inzwischen keine Exoten mehr. Olympia-Auftritte wie die von Rubi AR unter seinem Reiter Goncalo Carvalho bei der Olympiade in London haben dafür gesorgt, dass der Lusitano ins Rampenlicht gerückt ist. Das hat sogar dazu geführt, dass Hengste wie Rubi inzwischen für die deutsche Warmblutzucht anerkannt werden.

Die Kunst der hohen Schule

Die „arte equestre“, die „Hohe Schule“ wird in Portugal ebenso gepflegt wie in Wien und im französischen Saumur. Während in der Wiener Hofreitschule die Lipizzaner gesattelt werden und in Frankreich Pferde der Rasse Selle Francais, sind es in der portugiesischen Hofreitschule die Lusitanos, die Piaffe, Passage, Kapriolen und Courbetten zeigen. Die portugiesische Hofreitschule „Academia Equestre da Corte Portuguesa“, die bis 2015 im Palacio Nacional in Queluz zuhause war, residiert seit 2015 nun im Stadtteil Belem der Hauptstadt Lissabon.

 

Lisbon, Portugal - Feb 10th, 2020: Portuguese School of Equestrian Art. Institution dedicated to the preservation of the equestrian arts, in the Portuguese tradition

 

Rassenmerkmale:

  • Größe: zwischen 153cm und 163cm.
  • Farbe: vorwiegend Schimmel, aber alle anderen Farben sind auch erlaubt.
  • Kopf: klein, mit geradem Profil. Kleine Ohren. Mutig blickende Augen.
  • Hals: manchmal etwas zu kurz und dick.
  • Schultern: lang, schräg. Widerrist nicht besonders deutlich ausgeprägt.
  • Gebäude: kurzes Kompaktpferd, kräftig, mit breiter Brust. Schweif sehr niedrig angesetzt.
  • Gliedmaßen: kräftig, trocken, von mittlerer Länge.
  • Aktion: mit Showcharakter, aber weniger als beim Andalusier.

 

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